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Vor hundert Jahren, im Jahre 1895, veröffentlichte Freud (1895b) seine Arbeit über die Angstneurose und entwickelte in ihr seine erste Angsttheorie. Wenn parallel zu seinem Aufsatz die Briefe an Wilhelm Fließ aus den Jahren 1894 und 1895 gelesen werden, enthüllt sich die wissenschaftliche Beschäftigung mit der Angstneurose als ein Versuch der Selbstbehandlung, der zugleich die technische Grundhaltung der Identifizierung in die psychoanalytische Arbeit eingeführt hat, wenn auch damals von Freud, der bewußt eine wissenschaftliche Distanz einhielt, unbemerkt und unbeabsichtigt. Von ihrem Beginn an war also die Psychoanalyse bestimmt von den zwei Prinzipien der Identifizierung und Distanzierung.
In der Oszillation zwischen diesen beiden Positionen gelingt dem heutigen Analytiker die empathische Perzeption innerer Zustände des Analysanden sowie die kognitive Apperzeption der zugehörigen eigenen inneren Abläufe und des Verhaltens des Analysanden mit der nachfolgenden Formulierung einer unbewußte Konstellationen aufdeckenden Deutung, Obwohl Freud, wie deutlich werden wird, beide Wege beschritt, beschrieb er die psychoanalytische Technik ausschließlich als objektivierenden Vorgang und die angemessene psychoanalytische Haltung in der berühmten Chirurgen-Metapher als kühl distanziert (Freud 1912, 380f.).