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Die Psychoanalyse, der soziale und kulturelle Veränderungen nicht fremd sind, sieht sich im Kontext der Moderne mit einer epistemologischen Umwandlung konfrontiert. In der Sozialstruktur scheinen neue Gedankengänge1 zu herrschen: ein Rückzug ins Individuelle im Gegensatz zum kollektivistischen Ideal.
Strukturveränderungen in der sozialen Vorstellungswelt sind verantwortlich für die unbestrittenen Fortschritte, die jedoch mit Problemen verbunden sind, die uns in Frage stellen: eine Lockerung der Gegensätze, die die Gefahr in sich birgt, Unterschiede aufzuheben; ein Rückgang der Disziplin zugunsten sozialer Flexibilisierung sowie die daraus resultierende Entwicklung eines neuen sozialen, politischen und kulturellen Fetischs.
Das Nachlassen sozialer Zwänge fördert das Entstehen duallogistischer Räume, wo Gegensatzpaare toleriert und akzeptiert werden, d. h. eine „flexible Übereinstimmung von Antinomien” (Lipovetsky 1983) herrscht. Narzißtische Aspekte individueller und kollektiver Art sind weit verbreitet und gehen mit einer gewissen Verherrlichung der Verführung durch verschiedene Medien der Information, Werbung und Technologie einher.
Der gegenwärtige wissenschaftliche Diskurs mit Themen wie „Auflösung der Strukturen”, „Chaos, Chance” und „Diffusität des Denkens” hat sich der psychoanalytischen Diskussion angenähert.