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Seit dem 18. und 19. Jahrhundert glaubten Ärzte, Psychiater und Historiker, daß der weibliche Orgasmus für die Empfängnis und Zeugung von Kindern wesentlich sei. Kurze Zeit, gegen Ende des 19. Jahrhunderts, dachte man sogar, daß Frauen ein zweites Sexualmodell bildeten. Zu jener Zeit bedeutete Mann oder Frau zu sein, nicht nur etwas Organisches, es war auch eine Frage der Funktionen (der kulturellen Rollen). Als man erkannte, daß der Orgasmus nichts mit der Befruchtung zu tun hatte, wurde der Empfängnis keine besondere Bedeutung mehr beigemessen und die Lust der Frau folglich als irrelevant angesehen. Im besten Falle markierte diese Erkenntnis den Beginn des Gedankens, daß Frauen passiv und hypochondrisch, Männer dagegen aktiv seien - mit anderen Worten, daß ein großer Gegensatz zwischen beiden bestand. Selbst die Französische Revolution von 1789 mit ihren radikalen Veränderungen, die sich über die ganze Welt ausbreiteten, brachte keine besondere Charta für Frauen hervor. In Brasilien erhielten Frauen im Jahre 1930 das Stimmrecht, und einige zaghafte Gesetze für Frauen, die sich jedoch hauptsächlich auf die Mutterschaft bezogen, stammen ebenfalls aus dieser Zeit.