You do not currently have permission to view the full text for this document. Please sign in to an account with an active subscription or contact support.
Jeder von uns kämpft auf der Suche nach Liebe und Befriedigung auf seine eigene Art und Weise. Konflikte entstehen zwangsläufig, wenn wir versuchen, jene zuweilen wilde, ursprüngliche, triebhafte, erregende und kreative innere Kraft zu erleben, zu zähmen, zu kontrollieren und dennoch kennenzulernen. Weitere Probleme ergeben sich ferner aus dem stetigen Bemühen der Psychoanalytiker, das Wesentliche dieser Kraft, die wir Sexualität nennen, zu begreifen. Unter allen Aspekten der menschlichen Natur, mit denen sich Psychoanalytiker seit über einem Jahrhundert beschäftigen, nimmt die Sexualität zweifelsohne eine zentrale Stellung ein. Daß die Debatte fortgesetzt wird, ist zum Teil auf das Erbe Freuds zurückzuführen, da innerhalb seiner Sexualtheorie Spannungen bestehen - eine Spannung zwischen Geist und Körper, eine Spannung zwischen verschiedenen hypothetischen Ebenen der Theorie und eine Spannung, die daraus resultiert, daß verschiedene Themen als eines klassifiziert werden.
Die Geist-Körper-Frage reicht zumindest bis Descartes zurück. Freuds These (1905d) einer „endosomatischen” Kraft, der Libido, die für die psychischen Vorgänge von zentraler Bedeutung ist, rückte diese Debatte in den Mittelpunkt der Psychoanalyse. Während diese „endosomatische” Kraft rein hypothetischer Natur war, besaß Freuds Theorie auch einen klinischen Aspekt. Er war überzeugt, daß „Momente aus dem Sexualleben die nächsten und praktisch bedeutsamsten Ursachen eines jeden Falles von neurotischer Erkrankung darstellen” (1898a, 491). Das Interesse daran, wie sich erotische Erregung, Sexualtriebe und damit zusammenhängende unbewußte Konflikte auf das psychische Funktionieren auswirken, spielte für alle psychischen Modelle, die Freud vorschlug, eine wesentliche Rolle. Da Freud glaubte, daß „Anatomie (…) Schicksal”