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In unserer heutigen Situation, wo theoretische Annahmen immer mehr in Frage gestellt werden und die klinische Praxis immer vielfältiger wird, ist es dringend erforderlich, daß wir die Beziehung zwischen klinischer Praxis und psychoanalytischer Theorie neu überdenken. Das zeigt sich nirgends deutlicher als im Bereich der Diagnostik. Ob bei Erwachsenen oder Kindern, die Einschätzung psychischer Störung wird in erster Linie durch ein klinisches Verfahren erreicht. Ein Mensch tritt einem anderen in einem klinischen Austausch gegenüber, und der Diagnostiker hofft, aus dem Geschehen zwischen ihnen ein Bild davon gewinnen zu können, was dem Patienten (gegebenenfalls) fehlt und was (gegebenenfalls) nötig ist, um ihn wieder in Ordnung zu bringen. Ein erwachsener Patient, der aus eigenem Antrieb kommt, versucht dem Diagnostiker zu helfen und erwartet ein gewisses Maß an Erfolg. Bei Kindern, die von sich aus selten eine Behandlung wünschen, hat der Diagnostiker zu Beginn gewöhnlich eine in klinischem Rahmen erhobene Sozialanamnese in der Hand sowie Berichte der Schule, die zum Teil auf den schulischen Leistungen, zum Teil aber auch auf den persönlichen Eindrücken der Lehrer beruhen.