You do not currently have permission to view the full text for this document. Please sign in to an account with an active subscription or contact support.
Seelenforschung der Geschichte war eine frühe Anwendung der Psychoanalyse. Abraham schrieb über Echnaton, Jekels über Napoleon I., Jones vor dem I. Weltkrieg über Ludwig, König von Holland, Paul Federn gleich nach dem Weltkrieg über eine Psychologie der Revolution. Jones zeigt, daß unbewußte homosexuelle Strebungen zur Abdankung von Louis Bonaparte vom holländischen Thron geführt haben. In der Echnaton-Arbeit zeigt Abraham, daß die Aton-Religion die Folge der großen Liebe zur Mutter war, die Amenhotep beherrscht hat, und Jekels versucht in einer genauen historischen Arbeit den Ödipuskomplex von Napoleon I. darzustellen, der schließlich zu seiner Niederlage geführt habe. Schwachstellen und Niederlagen von historischen Persönlichkeiten versucht die Psychoanalyse mit ihren Mitteln zu erklären. Voraussetzung dieser Arbeiten war die Erkenntnis, daß, wenn unbewußte Kräfte im Menschen vorhanden sind, sie auch in seiner Geschichte eine Rolle spielen müssen. Historische Personen und Ereignisse wurden daher nach ihren seelischen Hintergründen untersucht, wobei zuerst einmal die ödipale Situation als wichtigste Kraft angesehen wurde. Freud gab in seiner Arbeit „Totem und Tabu“ bereits 1909 ein Beispiel dafür, wie wir annehmen dürfen, daß seelische Prozesse in der Menschwerdung selbst zum Tragen kommen. Später versuchte er das Entstehen der Kultur durch den Verdrängungsprozeß zu erklären, der in allen Menschen vorhanden ist. Auch das Entstehen der Religionen wurde als historischer Prozeß verstanden und psychoanalytisch erklärt. Wilhelm Reich versuchte, dasselbe mit dem