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In der mannigfaltigen und turbulenten Kunstlandschaft dieses Jahrhunderts stellt das Werk Balthus' eine seltsam isolierte Erscheinung dar. Sämtlichen zeitgenössischen Strömungen der Malerei fernbleibend, ging der Maler auch dann seine separaten Wege, als er über viele Jahre in Paris lebte. Ob unverführbar oder immun, scheint er den verschiedensten künstlerischen Versuchungen seiner Zeit konsequent zu widerstehen. Wenn seine Bilder atemporal wirken, so auch deshalb, weil er die Auseinandersetzung mit Innenwelten der Konfrontation mit den Stürmen dieses Jahrhunderts stets vorzieht. Der Zeitlosigkeit des Unbewußten und der konservativen Natur der Triebe Rechnung tragend, läßt das Œuvre Balthus' im Laufe der letzten sechs Dekaden keine markanten Modifikationen erkennen: vielmehr ist die Abwesenheit der Veränderung und das Fehlen jeglicher, sowohl formalen als auch inhaltlichen Brüche und Experimente innerhalb der ungebrochenen Elaboration des Gleichen das auffälligste Merkmal dieser Gemälde.
Gilt das andauernde Begehren und das permanente Engagement des Malers dermaßen unverrückbar dem Bestreben, in Bildern eine eigenartig abgesonderte Welt zu konstruieren und aufrechtzuerhalten, so lädt gerade die Persistenz des Balthusschen Vorhabens, sowie die eigentümliche Struktur seiner phantasmatischen Welt dazu ein, deren geologische Beschaffenheit zu erkunden und deren Landkarte nachzuzeichnen: die folgenden Betrachtungen stellen einen Versuch dar, das Anliegen dieser Bilder zu erhellen.
Landschaften und junge Mädchen, «fillettes» genannt, sind zwei Themen, die das Werk Balthus' seit mehr als einem halben Jahrhundert prägen. Beide Themenbereiche scheinen einer jeweils eigenen Dynamik zu gehorchen und sich konsistent in einem Nebeneinander zu entfalten.