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„Jetzt hört alle, alle zu … Sonntag kam die Sonne von Weimar, Göthe, an … Gleich waren wir die Treppe herunter; in Göthens Haus. Er war im Garten, und er kam eben um eine Hecke herum; ist dies nicht sonderbar, lieber Vater, ebenso ging es auch dir. Man hält ihn nicht für einen dreiundsiebziger, sondern für einen fünfziger … Jeden Morgen erhalte ich vom Autor des Faust und des Werther einen Kuß, und jeden Nachmittag vom Vater und Freund Göthe zwei Küsse. Bedenkt!! … Nachmittag spielte ich Göthen über zwei Stunden vor, theils Fugen von Bach, theils phantasierte ich2. Ich spiele hier viel mehr als zu Hause, unter vier Stunden selten, zuweilen 6, ja wohl gar 8 Stunden … und dann pflegt er sich neben mich zu setzen, und wenn ich fertig bin, so bitte ich mir einen Kuß aus oder nehme mir einen … er ist eben nicht viel größer als Vater. Doch seine Haltung, seine Sprache, sein Name, die sind imposant. Einen ungeheuren Klang der Stimme hat er“3.
So enthusiastisch schrieb der 12jährige Felix Mendelssohn 1821 an seine Eltern und Geschwister aus Weimar, wo er zusammen mit seinem Lehrer Carl Friedrich Zelter und dessen Tochter den 73jährigen Goethe besuchte und über zwei Wochen blieb. Aus dieser ersten Begegnung entwickelte sich ein dauerhafter Kontakt mit Briefen und weiteren Besuchen in Weimar. 1830 kam es nochmal zu einem 14-tägigen Aufenthalt Felix Mendelssohns bei Goethe. Die Verbindung endete erst nach zehn Jahren mit Goethes Tod.
Goethe faßte seine Beziehung zu dem „himmlischen, kostbaren Knaben“ auf anrührende Weise zusammen:
„Ich bin Saul und du bist mein David. Wenn ich traurig und trübe bin, so komm du zu mir und erheitere mich durch dein Saitenspiel“ (Hensel, Bd. 1, 152).