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Über Kreativität ist sehr viel geschrieben worden, und ich kann dem, was viele Autoren als ein Rätsel bezeichnen, nicht viel hinzufügen. Als ich über die Kreativität nachdachte, galt mein besonderes Interesse der Erforschung von zwei großen Bereichen, die mich seit langem beschäftigen. Wie ist es zu erklären, daß bestimmte Menschen Maler werden, andere Musiker, Dichter oder bildende Künstler? Diese erste Frage erscheint ebenso kompliziert zu sein wie die nach der Neurosenwahl. Können wir uns damit zufriedengeben zu sagen, daß es von angeborenen konstitutionellen Talenten abhängt? Die andere Frage bezieht sich auf die mögliche Beziehung zwischen der Kreativität (oder ihrer Hemmung) und frühen sensorischen Erfahrungsmustern (sie möchte ich in diesem Referat untersuchen). Einige Autoren bevorzugen Beschreibungen, die den Konflikt, den Widerstand und die ödipalen Ebenen betonen, während andere fusionäre, undifferenzierte Bereiche der Selbsterfahrung als entscheidend für sie betrachten. Andere wiederum, zu denen ich auch mich selbst zähle, untersuchen, wie diese verschiedenen Ebenen miteinander interagieren, um so zu einem klinischen Verständnis der psychischen Schicksale zu gelangen. Diese Sichtweise stellt uns vor eine wesentliche Frage, die meiner Meinung nach spezifiziert werden muß, wenn es sich um Kreativität handelt: sprechen wir von künstlerischer Kreativität oder von der Kreativität des Selbst? Und wie sieht die Beziehung, wenn es denn eine gibt, zwischen diesen beiden Bereichen aus? Das bedeutet, daß wir die Prozesse der frühen Selbst-Objekt-Differenzierung und die Ursprünge der psychischen Organisation betrachten müssen. Im Zusammenhang mit der Kreativität interessiert es mich dabei besonders, zu untersuchen, auf welche Weise Körper und Psyche, Phantasie und Realität, Primär- und Sekundärprozeß miteinander verbunden sind.