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Ludwig Binswanger genießt nicht nur historisches Interesse. Gerade in der heutigen psychoanalytischen Diskussion spielt die Beschäftigung mit Psychosen und schweren Persönlichkeitsstörungen eine zunehmend wichtige Rolle, die mit praktischen und theoretischen Erweiterungen in der Säuglingspsychiatrie in Zusammenhang steht. Gerade in der Säuglingszeit werden in der Begegnung wesentliche Grundlagen von Affekt und Kognition gelegt - die Binswanger philosophisch vorgedacht und in seiner psychoanalytischen Praxis eingesetzt hatte (Hoffmann 1996).
In der deutschsprachigen psychoanalytischen Fachdiskussion war Binswanger nach zunächst sehr präsent - nachdem sich bereits in einem Brief an ihn am 7.8.1945 der Vorsitzende der Schweizerischen Psychoanalytischen Gesellschaft, Philipp Sarasin, sehr lobend und anerkennend darüber geäußert hatte, wie Binswanger die Freudsche Psychoanalyse in seine Theorie und Praxis einbeziehe. Andererseits antwortete Binswanger auf die Rundfrage des Forschungsausschusses der International Psychoanalytical Association 1950: „Ich habe in den letzten 10 Jahren keine psychoanalytischen Arbeiten veröffentlicht.” (22.11.1950) - Hiermit hatte Binswanger recht, allerdings blieb er bis zu seinem Tod Mitglied der Schweizerischen Psychoanalytischen Gesellschaft.
In der psychoanalytischen Berufspolitik war Binswanger nach nicht aktiv - übrigens war er dies auch früher nicht gewesen, was ihm die Kritik Sigmund Freuds eingetragen hatte.