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Nichts ist schädlicher in der Analyse als das schulmeisterliche oder auch nur autoritative Auftreten des Arztes. Alle unsere Deutungen müssen eher den Charakter eines Vorschlages, denn einer sicheren Behauptung haben, und dies nicht nur, damit wir den Patienten nicht reiben, sondern weil wir uns tatsächlich auch irren können. Unser Vertrauen zu unseren Theorien darf nur ein bedingtes sein, denn vielleicht handelt es sich im gegebenen Falle um die berühmte Ausnahme von der Regel oder gar um die Notwendigkeit, an der bisherigen Theorie etwas zu ändern […] Die Bescheidenheit des Analytikers sei also nicht eine eingelernte Pose, sondern der Ausdruck der Einsicht in die Begrenztheit unseres Wissens. (Ferenczi 1928, 389)
Heute möchte ich in demselben Geiste einige Vorschläge unterbreiten - und als Motto noch die Worte Freuds wählen, der ja auch schrieb: „Ich will keine Überzeugungen erwecken - ich will Anregungen geben und Vorurteile erschüttern” (Freud 1916-17, 250).
Ich hoffe, mit dieser Haltung Wolfgang Lochs Gedächtnis meine tiefgefühlte Ehre erweisen zu können - und auch dadurch, daß ich uns seine überlegene Gegenwart, seine zauberhafte Ruhe und die Schärfe seiner Gedanken in Erinnerung rufe.
Der Mensch ist eine Kreatur, die fortgesetzt Bedeutungen erschafft. Die Analyse des Begriffs „Bedeutung” eröffnet ein semantisches Feld (ein Ensemble von Repräsentanzen), das von Vokal isierung, Gestik, Haltung etc. erschaffen wird. Und es ist zugleich die Perspektive, in der unsere inneren und äußeren Wahrnehmungen interpretiert, gedeutet und verstanden werden. Die Be-deutung, die der Wahrnehmung von Objekten, Personen, Ereignissen, Szenarien zugeordnet wird, kann Konflikt und Leid hervorrufen. Schon Epiktet erklärte im Enchiridion (79), daß die Menschen nicht von den Dingen beunruhigt werden, sondern von den