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Ein berühmter Theologe bekommt eines Tages ein Kompliment dafür, daß es ihm immer gelingt, seine hochabstrakten theoretischen Reflexionen mit überzeugenden Beispielen zu verdeutlichen. „Ach, wissen Sie”, erwidert er, „ich fuhr vor einigen Jahren im Westen der Vereinigten Staaten herum und landete in einem kleinen Dorf. Ich sah, daß an den Scheunenwänden dieses Dorfes jede Menge Zielscheiben gemalt waren, genau in der Mitte jeder Zielscheibe war ein Kugelloch. Ich sagte dem Wirt des Gasthauses in dem ich abgestiegen war: ‚Sie haben hier einen phantastischen Schützen.’ - ‚Von wegen’, erwiderte der Wirt, ‚das ist Johnny, der Dorfdepp, der schießt immer erst ein Loch in die Wand und dann malt er die Zielscheibe drumherum.’ So ist es auch bei mir”, sagte der Theologe, „ich habe immer zuerst die Beispiele und dann erfinde ich die Theorie dazu.”
Ähnlich verhält es sich mit meinem Vortrag heute. Als ich anfing, über das von der Kongreßleitung erbetene Thema „das Selbst” nachzudenken, fiel mir eine kurze Novelle Franz Kafkas ein. Kafka hat ihr den Titel Ein Kommentar mitgegeben. Sie lautet:
Es war sehr früh im Morgen, die Straßen rein und leer, ich ging zum Bahnhof. Als ich eine Turmuhr mit meiner Uhr verglich, sah ich, daß schon viel spater war, als ich geglaubt hatte, ich mußte mich sehr beeilen, der Schrecken über diese Entdeckung ließ mich im Weg unsicher werden, ich kannte mich in dieser Stadt noch nicht sehr gut aus, glücklicherweise war ein Schutzmann in der Nähe, ich lief zu ihm und frage ihn atemlos nach dem Weg. Er lächelte und sagte: ‚Von mir willst du den Weg erfahren?’ ‚Ja’ sagte ich, ‚da ich ihn selbst nicht finden kann.’ ‚Gibs auf, gibs auf‚, sagte er und wandte sich mit einem großen Schwünge ab, so wie Leute, die mit ihrem Lachen altein sein wollen. (Kafka 1994a, 130)
Was am Text unmittelbar auffällt, ist der explizite und radikale Gegensatz zwischen dem Erzähl-Ich, unverkennbar eine Chiffre für den Schriftsteller Franz Kafka, und einer von ihm als bedrohlich em