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Was sich nicht übersetzen laßt, ist keine Wahrheit; ebenso wie das, was nicht je nach dem Blickpunkt seine Erscheinungsform ändert, kein fester Körper ist, sondern ein Augentrug. Auch im Denken gibt es einen dreidimensionalen Raum.
Im Februar 191] schrieb Freud an C.G. Jung, daß er „mit dem Keim einer größeren Synthese schwanger” gehe (Freud 1974, 432). Die Rede war von Totem und Tabu, mit dem Untertitel: Einige Übereinstimmungen im Seelenleben der Wilden und der Neuroüker (Freud 1912-13; vgl. Haas 2000). Jung hatte damals schon in dieser Richtung gearbeitet. Doch ungeachtet solcher Rivalität lagen außerhalb der Psychoanalyse, im Bereich der Kulturanthropologic, verschiedene ambitionierte Entwürfe von Autoren wie Durkheim, Frazer, Robertson Smith u.a. vor. Seit Darwins Über die Entstehung der Arten heberten Wissenschaftler danach, im Bereich der Humanwissenschaften gleichfalls zu einer übergeordneten theoretischen Orientierung zu gelangen. Dies war der geistesgeschichtliche Hintergrund, der Freud veranlaßte, die maßgeblichen Werke der Religionswissenschaft, Ethnologie und Völkerkunde zu lesen. Er wollte zeigen, daß im Ödipuskomplex die „Anfänge von Religion, Sittlichkeit, Gesellschaft und Kunst zusammentreffen” (Freud 1912-13) und daß er als Kristallisationskern einer solchen Synthese in Frage kommt.