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Es gibt vielfältige philosophische und theologische Vorschläge, um über die Vorstellung hinauszukommen, daß das Denken notwendigerweise sterblich ist, weil es an den Körper gebunden ist. Daraus resultierte die Idee einer unsterblichen Seele als dem Ursprung des Denkens, die sich nicht auf die Unbeständigkeit des Körpers reduzieren läßt. Ich schlage hier eine semantische Betrachtung vor: ‘soma’, das griechische Wort für Leib, nahm seine gegenwärtige Bedeutung von einem lebendigen Organismus erst bei Hippokrates während des 4. und 5. Jahrhunderts vor Christus an. Vor dem Corpus Hippocraticum bezog sich der Begriff Soma auf einen unbelebten Körper oder Leichnam. ‘Psyche’ bedeutete ursprünglich Atem, im erweiterten Sinne Lebensatem, und dann Seele. Es lohnt sich zu erinnern, daß diese semantischen Wandlungen sich zu einer Zeit ereigneten, in der Hippokrates die Medizin als eine wissenschaftliche Disziplin begründete, die auf objektiver Beobachtung und der Untersuchung von Symptomen (Semiologie) beruhte.
Je nachdem, ob Psyche-Soma monistisch oder dualistisch verstanden wird, kann man verschiedene Systeme entwerfen, die Mensch und Welt, Leben und Tod erklären. In streng Freudianischer Sichtweise wurde das aufkommende Denken durch den Anblick eines zugleich geliebten und gehaßten Leichnams angestoßen, welcher die beiden Gedanken auslöste: „möge er fortgehen” und „ich will ihn bewahren, wie er ist”. Spuren dieses ursprünglichen Konfliktes gestatten es dem Denken, an Unsterblichkeit