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Viele Psychoanalytiker und noch mehr Psychologen haben Schwierigkeiten mit der psychoanalytischen Aggressivitätstheorie. Mir ging dies schon als Ausbildungskandidat so. Später hatte ich als Lehrender Probleme mit dem Thema. Studenten und Kandidaten fanden zu viele Widersprüche zwischen (primärem) Aggressionstrieb, (sekundären) Reaktionen auf Frustration, zwischen konstruktiver und destruktiver Aggressivität. Die Hypothese vom Todestrieb machte die Problematik mit der Aggressivität noch schwieriger. Neue Konzepte wie das vom Seelenmord sind schwer in die gängigen theoretischen Konzeptionen einzuordnen. Das Problem einer schlüssigen psychoanalytischen Theorie über Aggressivität scheint somit ebenso wenig gelöst zu sein, wie die Probleme des technischen Umgangs mit latent oder manifest aggressiven Patienten. Deren unbewußte Psychodynamik und damit deren Übertragungen führen ja zwangsläufig zu aggressiv aufgeladenen Interaktionsmustern, die nicht immer leicht zu analysieren und zu handhaben sind.
Freud hat bekanntlich, im Gegensatz zu seiner Sexualtheorie, keine geschlossene Theorie zur Aggressivität hinterlassen. Deswegen beschäftigt das Thema die Psychoanalytiker bis heute: Liebe, Hass und Gewalt, so lautete der Titel des 13ten Kongresses der Europäischen Psychoanalytischen Fedération in Berlin, März 1999. Dort erinnerte der Präsident der europäischen Vereinigung Alain Gibeault an Freuds Diktum, daß der Hass älter ist als die Liebe, an den Begriff des „Bemächtigungstriebs” (Freud 1905, 93; Schlüe 1989). In der Arbeitsgruppe 10 wurde Freud zitiert: „Die Aggressionsneigung [ist] eine ursprüngliche selbständige