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Koinzidierende Phantasien bei Mutter und Sohn
Ein junger Mann, der sich in meiner psychoanalytischen Behandlung befand, hatte seit früher Jugend beobachtet, daß seine Mutter neben ihrer Ehe intime Beziehungen zu einem Freunde unterhielt. An diese Tatsache knüpften sich bei ihm typische Phantasien im Sinne der Hamlet-Geschichte: die Mutter werde gemeinsam mit ihrem Freunde den Vater umbringen. Diese seit Jahren wiederkehrenden Tagträumereien wurden der Analyse unterworfen und traten zurück, als dem Patienten bewußt geworden war, daß sein eigener verdrängter Wunsch dahin ging, mit Hilfe der Mutter den Vater zu beseitigen. Nachdem die dem Vater feindlichen Phantasien des Patienten weitgehend analysiert waren, berichtete er mir eines Tages ein sonderbares Vorkommnis. Während die ganze Familie am Mittagstisch saß, hatte die Mutter erzählt, sie habe in der Nacht etwas Eigentümliches geträumt. Ein fremder Mann habe sie verhöhnt und sich geringschätzig
* Karl-Abraham-Vorlesung des Berliner Psychoanalytischen Instituts, Karl-Abraham-Institut, am 6. Mai 2001 im Literaturhaus Berlin.
»Vatersehnsucht«: im amerikanischen Original father hunger. [Ich habe mich aus mehreren Gründen gegen die Varianten »Vaterhunger« und »Hunger nach dem Vater« entschieden, obgleich die in father hunger mitgemeinte Bedürfnisseite dabei etwas zu kurz kommt. A.d.Ü.] »Spielraum«: dtsch. im Original.
** James Herzog ist Psychiater, Kinderpsychiater und Psychoanalytiker, Lehr- und Kontrollanalytiker am Bostoner Psychoanalytischen Institut für Erwachsenen- und Kinderanalysen sowie Supervisor am Freud-Institut Zürich. Sein Buch Father Hunger Explorations with Adults and Children erschien 2001 bei Analytic Press.
Page 49über ihre Fähigkeiten geäußert. Sie habe ihn dann mit Hilfe des Herrn X. (ihres Freundes) hinausgeworfen.
Mein Patient hatte bei der Erzählung seiner Mutter aufgehorcht und augenblicklich verstanden, daß der Fremde niemand anderer sein konnte als sein Vater, den die Mutter gemeinsam mit ihrem Freunde »hinau