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Und wenn der Mensch in seiner Qual verstummt, gab mir ein Gott zu sagen, was ich leide.
Im Schleswig-Holsteinischen Landesmuseum Schloß Gottorf hängt in der Kunst-Sammlung Horn ein Bronzeguß des Schwebenden. Diese Plastik Ernst Barlachs - 1926 als Denkmal für die Gefallenen des ersten Weltkrieges im Güstrower Dom geschaffen - nennt der Volksmund auch »Todesengel«. Wie Reinhard Piper, der Freund und Verleger Barlachs bei einem Besuch in Güstrow 1928 von Barlach erfahren hat, verlieh der Künstler der Plastik die Gesichtszüge Käthe Kollwitz': »In den Engel ist mir das Gesicht von Käthe Kollwitz hineingeraten, ohne daß ich es mir vorgenommen hatte. Hätte ich das gewollt, wäre es wahrscheinlich mißglückt« (1964, 421). In Schleswig läßt sich das Antlitz des Todesengels an einem zweiten monumentalen Abguß des Kopfes aus dem Jahre 1927 genau studieren (Abb. 1). Er ist so plaziert, daß man ihn wie zufällig mit einem nur wenig entfernt hängenden Selbstportrait Käthe Kollwitz' vergleichen kann. Die Ähnlichkeit der Gesichtszüge überzeugt; der 〉stillen, geheimnisvollen Wirkung〈 der Bronze kann man sich kaum entziehen, verunsichert durch die Frage: Käthe Kollwitz als Todesengel?
Manche Bilder und Plastiken Käthe Kollwitz' riefen in mir bei erster Betrachtung eine starke Traurigkeit hervor. Die verstohlenen Tränen waren mir aber gleich darauf peinlich - Ausdruck einer Zwiespältigkeit, die mich verwunderte und dazu brachte, mich ausführlicher mit ihren Werken, ihren Briefen, Tagebüchern, Lebenserinnerungen und schließlich auch den publizierten Reaktionen