You do not currently have permission to view the full text for this document. Please sign in to an account with an active subscription or contact support.
Im August 1894 stand Freud mit seinem Freunde Wilhelm Fließ in lebhaftem Gedankenaustausch - mündlich und schriftlich. Vom 10.-16. August hatte er zusammen mit seiner Frau Wilhelm Fließ, der sich zur Behandlung seiner eiternden Nase in München aufhielt, besucht. Den danach in rascher Folge geschriebenen Briefen an Fließ legte er Krankengeschichten von Patienten bei, die er gerade in seiner Praxis gesehen hatte und mit denen er sein Nachdenken über das Problem der Neurosen, insbesondere der Angstneurose und der Neurasthenie, zu illustrieren versuchte. In einer am 20. August niedergeschriebenen Fallvignette stellt er die merkwürdige Diagnose einer »neurasthenischen Melancholie«. »Es ist sehr gut möglich«, schreibt Freud, »daß der Ausgangspunkt einer solchen kleinen Melancholie jedesmal ein Koitus ist. Übertreibung des physiologisch Behauptet[en]: Omne animal post coitum triste« (Fließ 1985c, dt., 89). Was heißt das? »Jedes Lebewesen ist nach dem Koitus traurig.« Jeder frage sich selbst, ob das richtig ist. Bevor wir aber nach der Berechtigung eines solchen Dictums fragen, müssen wir nach dem Ursprung dieses Sprichworts suchen, um es - vielleicht - aus seinem Muttergrund heraus zu verstehen.