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Die psychoanalytische Auffassung dessen, was in der psychosexuellen Entwicklung des Menschen als normgerecht angesehen werden kann, ist im Fluß, insbesondere auch, was die Bewertung der Homosexualität angeht (Rauchfleisch 2000). Für Freud war Homosexualität einerseits Ausdruck einer gestörten psychosexuellen Entwicklung, andererseits setzte er sich wiederholt für eine Entpathologisierung ein, auch öffentlich. Was man unter Perversion versteht, ist schillernd (Laplanche/Pontalis 1973, s.v. »Perversion«). In der sexualwissenschaftlichen Literatur, aber auch in der psychoanalytischen Theorie hat man vielfach die Homosexualität implizit oder ausdrücklich den Perversionen zugeordnet. Den Gegenpol zu einer solchen pathologisierenden Auffassung markiert etwa der Satz Rosa von Praunheims: »Nicht die Homosexuellen sind pervers, sondern die Situation, in der sie zu leben haben« (Praunheim 1978, 190).
Im folgenden will ich zeigen, daß der Perversionsbegriff bereits als schillernder Begriff in die frühe Theorie Freuds eingegangen ist, daß er neben einem unspezifischen Wortsinn von Anfang an auch eine wertende Konnotation hat und mit Abweichung von einer wie auch immer begründeten Norm verbunden wird.