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Mein Professor sagte mir […] - und er ist der erste Mensch, der sich untersteht, mir das zu sagen -, daß ich hätte, was Herder so schön einen idiotischen Stil nennt, das ist einen Stil, der zugleich korrekt und charakteristisch ist. Ich habe mich über die unglaubliche Tatsache gebührlich gewundert und versäume es nicht, das glückliche Ereignis, das erste in seiner Art, so weit als möglich zu verschicken. An Sie, zum Beispiel, der Sie bis jetzt wohl auch nicht gemerkt haben, daß Sie mit einem deutschen Stilisten Briefe tauschen. Nun aber rate ich Ihnen, als Freund, nicht als Interessent - bewahren Sie auf - binden Sie zusammen - hüten Sie wohl - man kann nicht wissen (Sigmund Freud an Emil Fluß am 16. Juni 1873, Freud 1960a, S. 6).
Läßt das Telefon, läßt das Mobiltelefon, läßt das Handy, aber auch das Internet die Kultur des Briefschreibens verkümmern? Ein sicheres Urteil wird darüber erst im Abstand und Rückblick zu fällen sein. Daß aber in einer Zeit, als es eine gewachsene, weitverbreitete und gern geübte Briefkultur gab - ich meine die Lebenszeit Freuds, in der das Telefon erst aufkam und wenig verbreitet war -, daß in dieser Zeit Sigmund Freud ein herausragender Briefschreiber war, wird kaum zu bezweifeln sein.
Herausragend ist schon der Umfang von Freuds Korrespondenz. Bereits in der Schulzeit begann er einen intensiven brieflichen Austausch mit Freunden (s. den Briefwechsel mit Eduard Silberstein, Freud 1989a). Während der langen Verlobungszeit, in der Freud fast täglich Briefe an seine Braut Martha Bernays schrieb, entsteht ein erstes Gipfelmassiv seiner Korrespondenz. Ohne den umfangreichen