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PROF. DR. FREUD
23.X. 14.
WIEN, IX. BERGGASSE 19.
Hochgeehrter Herr
Ihre Orchideenzeichnung ist mir als wertvolle Erinnerung an unser Zusammentreffen in Karlsbad doch noch zugegangen. Sonst war es merkwürdig, daß wir beide fluchtartig plötzlich abgereist sind, nachdem wir uns in der Erwartung eines baldigsten Wiedersehens getrennt hatten.
In Berlin tat es mir dann fast leid, daß mein Anruf erfolglos blieb. Ich verweilte nicht so lange, daß ich Sie noch hätte aufsuchen können. Mein Ziel war Hamburg. Mein Schwiegersohn meinte dann, Sie würden sich in diesen Tagen nicht viel zu Hause aufgehalten haben. Den in Karlsbad erwähnten Sonderabdruck hatte ich zur Überreichung mitgenommen; er geht Ihnen nun heute mit der gleichen Post zu. Möge der Versuch eines ganz unkünstlerischen Menschen, das Werk des großen Künstlers auf das gemeine Niveau der Verständlichkeit zu reduzieren, bei Ihnen eine milde Beurteilung finden.
* Gerhard Fichtner ist emeritierter Professor für Geschichte der Medizin an der Universität Tübingen. Forschungsschwerpunkte: Geschichte der Psychiatrie und der Psychoanalyse.
Page 192Wenn das Bildnis, mit dem Sie sich noch immer beschäftigen, mir nicht mehr ähnlich sieht, wollen wir die schweren Zeiten dafür verantwortlich machen. Es war üppiges Wohlbefinden, als wir uns trafen.
Von Herrn Dr. Friedemann habe ich ein Büchlein über seinen National- und Privatheros Herzl in die Hand bekommen und behalten. Grüßen Sie ihn bitte von uns, und glauben Sie uns die Versicherung, daß wir uns oft und gerne von den schönen Stunden in Ihrer Gesellschaft unterhalten.
Ihr herzlich ergebener