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Der vorliegende Themenband nimmt die frühe Arbeit Das Erleiden sexueller Traumen als Form infantiler Sexualbetätigung von Karl Abraham und den dort auftauchenden zentralen Begriff der »traumatophilen Diathese« zum Ausgangspunkt für eine erneute Untersuchung der wichtigen, jedoch äußerst komplexen Vorgänge bei seelischer Traumatisierung. Auch der letzte Kongreß der Internationalen Psychoanalytischen Vereinigung, dessen vorveröffentlichte Vorträge in Band 50 nachgelesen werden können, bezeugt mit seiner Wahl des Themas »Trauma« die Aktualität dieses Forschungsgegenstandes. Es scheint, daß die emotional-mentalen Fähigkeiten erst allmählich gewachsen sind, Traumatisierung und besonders Extremtraumatisierung mit ihren Sofort- und Langzeitfolgen analytisch angemessen in den Blick zu nehmen. Nicht selten mündet nämlich die Auseinandersetzung mit Traumatisierung in eine Überbewertung entweder der äußeren oder der inneren Realität. Oft wird einseitig, das ist nur zu verständlich, der Faktor der äußeren Realität als Traumaursache (Krieg, Verfolgung, permanente Todes- oder Morddrohung, Kinder- und Frauenfeindlichkeit, Kindesmißbrauch und Vergewaltigung, kranke, destruktive und mißbräuchliche Gesellschaft und Elternschaft) betont und die inneren Faktoren (Empfänglichkeit für Reizüberflutung, Trauma- und Reizverarbeitung entsprechend bereitliegender unbewußter Phantasie und das Problem innerer Retraumatisierung) vernachlässigt oder umgekehrt. Was Abraham mit den Begriffen »sexuelle Konstitution« und »Traumatophilie« zu erfassen suchte, läßt sich heute auffächern z. B. mit den Konzepten der Identifizierung mit dem Aggressor (Mörder, Vergewaltiger, Mißbraucher), dem Konzept der Abwehr von Schulderleben durch erneute Gewalttätigkeit und von depressivem Elend durch (traumatophile) Erzeugung von innerem und äußerem Chaos.