You do not currently have permission to view the full text for this document. Please sign in to an account with an active subscription or contact support.
Nachdem Freud 1907 in Wien Abraham zum ersten Mal getroffen hat, fragt er Jung nach seiner Meinung über den neuen Schüler. Jung kennt Abraham von ihrer gemeinsamen Arbeit bei Bleuler in Burghölzli in Zürich. Seine Antwort fällt nicht gerade enthusiastisch aus (Brief vom 19. August 1907). Wiewohl er die Ernsthaftigkeit und Zurückhaltung Abrahams hervorhebt, verhehlt er Freud doch nicht seinen Mangel an Sympathie für den jungen Kollegen. In seinem Antwortbrief vom 27. August 1907 schreibt Freud von Jungs »offene[m], andere mit sich fortreißende[m] Wesen«, das er von der Zurückhaltung Abrahams abhebt. Doch fast wie als Anspielung auf Züge Jungs, die zu wachsenden Spannungen zwischen den beiden und schließlich zum Bruch dieser Wissenschaftlerfreundschaft führen sollten, fügt Freud hinzu: »An Abraham hat mich eingenommen, daß er direkt auf das sexuelle Problem losgeht […]«.
Die wohlwollende Beurteilung Freuds bezieht sich auf die beiden ersten psychoanalytischen Arbeiten Abrahams von 1907, nämlich Über die Bedeutung sexueller Jugendtraumen für die Symptomatologie der Dementia praecox, vorgetragen