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70 Jahre nach dem Tod Sigmund Freuds im englischen Exil weiß die Freud-Forschung immer noch entlegene Schriften und unbekannte Briefe aus seiner Feder zu entdecken bzw. seine wissenschaftlichen Texte im literarischen Umfeld seiner Zeit neu zu verorten.
Seit unserer Redaktionsübernahme vor sieben Jahren veröffentlicht Gerhard Fichtner auf unsere Anregung hin hier bereits zum zwölften Mal einen unbekannten Freud-Brief in Faksimile und Transkription, begleitet von einem kenntnisreichen Kommentar.
Zum aktuellen Themenschwerpunkt »Neu- und Wiederentdeckungen zu Freud« trägt Christfried Tögel eine Quellendokumentation mit Briefen zwischen Freud und Einstein im Rahmen des Instituts für geistige Zusammenarbeit im Vorfeld des Buches Warum Krieg? bei, die gleichzeitig Freuds politische Interessen diskutiert. Eine sozialpolitisch brisante Umfrage zur Empfängnisverhütung, an der sich Freud mit einer prägnanten Stellungnahme beteiligt hat, nimmt Ulrike May zum Ausgangspunkt eines Streifzuges durch die juristischen, sexualwissenschaftlichen und literarischen Szenen im Berlin jener Jahre mit ihren Berührungen zur aufkommenden Psychoanalyse. Stefan Goldmann bereichert diesen Themenband mit einer Ausgrabung anderer Art. Er kann das Freudsche Diktum, daß seine Krankengeschichten wie Novellen zu lesen seien, überraschend konkret in die literarische Szene jener Zeit zurückbinden, indem er eine große Ähnlichkeit zwischen einer Novelle des Schriftstellers Hermann Sudermann und der Freudschen Krankengeschichte der »Elisabeth v. R.« nachweist.
Wie sich antike Texte mit analytischem Blick neu (übersetzen und) lesen lassen, zeigt der Beitrag von Helga Wildberger (unter Mitarbeit von Jula Wildberger) über Ovids Metamorphosen. An der Grenze zwischen Theorie und Klinik