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1895 schrieb Sigmund Freud in den mit Josef Breuer gemeinsam herausgegebenen Studien über Hysterie: »Es berührt mich selbst noch eigentümlich, daß die Krankengeschichten, die ich schreibe, wie Novellen zu lesen sind, und daß sie sozusagen des ernsten Gepräges der Wissenschaftlichkeit entbehren.« (Freud 1895d, 227) Dieser vielzitierte Satz erfährt sehr unterschiedliche Auslegungen und Kommentare: Zum einen dient er als Hinweis auf Freuds brillante Wissenschaftsprosa (Muschg 1975, 10; Schönau 1968, 212; Mahony 1989, 21), die ihm 1930 den Goethepreis der Stadt Frankfurt eingetragen hatte. Der englische Literaturwissenschaftler Steven Marcus ging sogar soweit zu behaupten, daß Freud mit seinen Krankengeschichten - insbesondere mit der Veröffentlichung des Bruchstücks einer Hysterie-Analyse (1905e) - das Muster einer neuen Literaturgattung aufgestellt habe, die dadurch charakterisiert sei, daß das geschaffene Kunstwerk zugleich seine Analyse und Deutung in sich trage (Marcus 1974, 78).