You do not currently have permission to view the full text for this document. Please sign in to an account with an active subscription or contact support.
PROF. DR. FREUD
29. 5. 1938
WIEN IX., BERGGASSE 19
Meine liebe Dorothy
Überrascht wie alle durch die Nachricht, dass Robert gestorben ist - wir wissen noch nicht woran - fragen meine Gedanken zuerst, wie Sie es aufnehmen werden, die es am nächsten angeht. Vielleicht sollten selbst intime Freunde, mit deren Leben sich Ihres unauflöslich verflochten hat, sich in dieser Zeit fernhalten und es Ihnen überlassen, Ihre Erinnerungen und Empfindungen zu sichten und zu bewältigen, aber mich bedrängt die Sorge, Sie könnten sich ungerechtfertigter Weise allzu wehe thun, im begreiflichen Bestreben, den Verstorbenen zu entschuldigen und Ihrer Liebe, die nie ganz erloschen war, eine letzte Äusserung zu gönnen. Darum mag es auch einem Fremderen erlaubt sein, daran zu mahnen, wie wenig Schuld im gewöhnlichen Sinne an Ihren Beziehungen zu Ihrem Mann beteiligt war und wie überwältigend der Einfluss der Krankheit, die ein befriedigendes Verhältnis unmöglich machte und die hingenommen werden muss, wie