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Goethes Roman Wilhelm Meisters Lehrjahre1 gilt wohl als eines der am häufigsten zitierten und bearbeiteten und zugleich als eines der am wenigsten gelesenen Werke des Dichters, was sicher nicht nur an dessen immensem Umfang liegt. Der Grund mag in der Komplexität und Vielfalt der Bezüge liegen, die sich dem Leser nicht auf Anhieb erschließen, oder darin, um es mit Goethes Worten selbst zu sagen, daß dem Roman »immer etwas Höheres zum Grunde liegt, und es komme bloß darauf an, daß man Augen, Weltkenntnis und Übersicht genug besitze, um im Kleineren das Größere wahrzunehmen« (Eckermann, Gespräche 25.12.1825, zit.n. WML, 620), weshalb »meine Sachen […] auch nicht populär werden [können]« (11. Oktober 1828, op.zit.). Auch mich ergriff die Faszinationskraft des Werkes erst mit zunehmendem Verstehen.
Die Entstehung des Romans umfaßt einen Schaffenszeitraum von ungefähr 20 Jahren (von 1777-83 und von 1794-96) und basiert bis einschließlich dem fünften Buch auf der Überarbeitung einer früheren Fassung mit dem Titel Theatralische Sendung, die unvollendet und unveröffentlicht geblieben ist.