You do not currently have permission to view the full text for this document. Please sign in to an account with an active subscription or contact support.
Der vorliegende Band thematisiert mehrfach das Verhältnis von (vermeintlich) Altem zu (vermeintlich) Neuem. Das gilt zunächst für unseren Schwerpunkt »Neue Medien«. Letztere sind, anders als die Bezeichnung nahelegt, durchaus nicht nur neu. Ohne eine Vielzahl gesellschaftlicher und technologischer, nicht zuletzt aber auch in den Subjekten liegender Voraussetzungen sind sie nicht zu begreifen. Sowohl Technikentwicklung als auch Technikgebrauch ist mit unbewußten Wünschen, Ängsten, Phantasien verbunden. Auch Psychoanalytiker sind in ihrem Alltag und in ihrer Praxis in vielerlei Weise in den Gebrauch und die Nutzung digitaler Medien verstrickt; wohl mehr noch erfahren sie jedoch vermittels der Erzählungen ihrer Patienten über die vielschichtigen bewußten und unbewußten Bedeutungen, die Medien annehmen können. Dennoch gibt es bisher nur sehr vereinzelte Untersuchungen aus psychoanalytischer Perspektive. Statt dessen werden viele Vorbehalte geäußert oder es werden Vermutungen über den Zusammenhang von Medien und psychischen Erkrankungen gezogen. So wurde im vorangegangenen Band 62 des Jahrbuchs in dem Beitrag von Christoph Türcke und dem darauf bezogenen Kommentar von Elfriede Löchel die Frage nach einem etwaigen Zusammenhang der sogenannten ADHS-Symptomatik und dem Exponiertsein gegenüber Bildschirmreizen kontrovers diskutiert. Anknüpfend an diese Kontroverse wollen wir die Auseinandersetzung um die darin verhandelten Fragen fortsetzen. Vor allem wäre zu klären, wie angemessene psychoanalytische Untersuchungen zum Thema Neue Medien aussehen könnten. Dazu möchten wir Ihnen in diesem Band drei sehr unterschiedliche Perspektiven vorstellen: eine medienwissenschaftliche, eine metapsychologische und eine klinische.
In dem Beitrag der Medienwissenschaftlerin Anna Tuschling »Das Diskrete in der Psychoanalyse. Grenzgänge zwischen Metapsychologie und Medienforschungschung«