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Vor sechs Jahren fand ich im Nachlaß des russischen Schriftstellers Konstantin Fedin in seinem Geburtsort Saratow an der Wolga einen unbekannten Brief Bertolt Brechts. Er trug das Datum des 29. Mai 1941. Das war in den hektischen Wochen, in denen die Brecht-Familie, von Finnland über Moskau kommend, auf dem Weg ins amerikanische Exil war. »Bitte, helfen Sie […] Angela Rohr, deren Aufsätze in der Frankfurter Zeitung ich […] wichtig gefunden habe«, heißt es darin, »Sie möchte Ihnen gerne begegnen und Ihren Rat hören« (Bey 2006). Da ich diesen Brief veröffentlichen wollte, flog ich nach Moskau, um etwas über Angela Rohr zu erfahren. Denn in der Literaturgeschichte fand ich ihren Namen nicht, und auch ich hatte nie zuvor von ihr gehört. Tatsächlich gab es im Findbuch des Russischen Archivs für Literatur und Kunst zweimal ihren Namen: eine kurze Mitteilung von Anfang Januar 1958 und ein Konvolut aus dem Jahr 1963,