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Für Ludger M. Hermanns in freundschaftlicher Verbundenheit
11. XI. 1930
PROF. DR. FREUD
WIEN, IX., BERGGASSE 19.
Hochgeehrter Herr
Der Aufsatz, den Sie mir zugeschickt, war so ehrenvoll für mich, daß er mir gefallen mußte. Sie wissen, welches Maß von Anerkennung man verträgt, allerdings fraglich, ob ganz ohne Schaden. Davon abgesehen, gestehe ich gern zu, daß Sie über die Beziehung Goethe's zur Analyse richtig geurteilt haben, richtiger als ich in meiner Antwortrede auf die Preiszuteilung. Allerdings war ich nicht ganz uneingeschränkt, ich mußte mich verbindlich zeigen und über die Kluft eines Jahrhunderts hinwegsetzen; dabei freute es mich zu lesen, daß Sie auch meinen, er hätte sich zur Analyse nicht unfreundlich eingestellt.
Ich habe den Eindruck, daß Ihnen meine Rede (in Frankfurt von meiner Tochter verlesen, ich selbst bin nicht rüstig genug für die Anstrengung von Reise und Feierlichkeit) nicht bekannt geworden ist. Wenn Sie mir dies auf einer Postkarte bestätigen, werde ich Ihnen die Nummer der kleinen Zeitschrift »Die psychoanalytische Bewegung«, die den Bericht über Frankfurt enthält,