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»Psychoanalytiker in Kriegs- und Nachkriegszeit« beschreibt nur in Annäherung die Problematik, zu der wir in diesem Band Originalarbeiten, Dokumente und Nachdrucke zusammengetragen haben. Es geht darum, wie die Psychoanalyse als wissenschaftliche Methode außerhalb ihrer üblichen Anwendung in der Patientenbehandlung während und nach dem Zweiten Weltkrieg benutzt worden ist, sowohl von Psychoanalytikern als auch von Sozialwissenschaftlern.
Während der Fokus der Geschichtsschreibung bisher eher darauf gelegt wurde, wie psychoanalytische Erkenntnisse im nationalsozialistischen Deutschland im Rahmen eines staatlichen psychotherapeutischen Institutes in Berlin mißbraucht und pervertiert wurden, liegt hier der Ausgangspunkt bei der Verwendung der Psychoanalyse gegen die NS-Diktatur und ihre Hinterlassenschaften. Emigrierte Psychoanalytiker aus Europa zusammen mit einheimischen Analytikern in England und USA und in Kooperation mit den beiden Regierungen und ihren Nachrichtendiensten haben versucht, die Psychoanalyse auf verschiedensten Wegen im Kampf gegen das kriegtreibende Nazi-Deutschland in Stellung zu bringen. Daniel Pick beschreibt die Bemühungen englischer Psychiater und Psychoanalytiker, Licht in die rätselhafte »Mission« von Rudolf Heß zu bringen, der in England gelandet war. Knuth Müller geht es in seinem ersten Forschungsüberblick in deutscher Sprache darum, die Zusammenarbeit von Psychoanalytikern mit US-Geheimdiensten zu dokumentieren, wobei er den nachdenklichmachenden Befund erhebt, daß deren Werk in Einzelfällen auch nach der Besiegung des nationalsozialistischen Deutschland weitergegangen ist und zu unethischem Verhalten geführt hat.
Roger Money-Kyrles historischer Versuch zur psychischen Lage der Deutschen im Jahre 1950 ist Teil der von den Alliierten ausgehenden Kampagne