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Neugier auf die Geschichte der Psychoanalyse läßt uns zu früheren Autoren zurückkehren und sie lesen oder wieder lesen. Dabei stößt man manchmal auf Erstaunliches, auf einen Klassiker wie Heinrich Rackers »Ethik und Psychoanalyse und die Psychoanalyse der Ethik«. Dieser Aufsatz erschien zuerst im International Journal of Psychoanalysis, posthum nach Rackers frühem Tod im Alter von 50 Jahren. Racker wurde in Polen geboren; als der Erste Weltkrieg ausbrach, floh seine jüdische Familie nach Wien, wo sie bis lebte. In einem Nachruf, der im International Journal of Psychoanalysis veröffentlicht wurde, schreibt Marie Langer:
Nach dem Abitur hätte Racker, der sich bereits für Psychoanalyse interessierte, gern Medizin studiert, aber die wirtschaftliche Krise durchkreuzte seine Pläne. […] Da er ein ausgezeichneter Pianist war, wurde er am Wiener Konservatorium als Lehrer beschäftigt und studierte gleichzeitig Psychologie und Musikwissenschaft an der Philosophischen Fakultät. […] Nach der Promotion glaubte er, nun sein eigentliches Ziel erreichen zu können. Er nahm seine Lehranalyse auf und begann mit dem Medizinstudium. Bald jedoch zwang ihn der Einmarsch der Nazis, aus Österreich zu flüchten. Seine erste Sorge, als er nach Buenos Aires kam, war es, genug zu
* Edna O'Shaughnessy, Erwachsenen- und Kinderanalytikerin, Lehranalytikerin der Britischen Psychoanalytischen Gesellschaft (Zweig der IPV), arbeitet in eigener Praxis in London. Zahlreiche Veröffentlichungen, auf Deutsch u. a. in Kann ein Lügner analysiert werden? Hg. von C. Frank/H. Weiß ; zuletzt zusammen mit E. Spillius (Hg.): Projective Identification. The Fate of a Concept .
Page 145verdienen, um seine Lehranalyse wieder aufnehmen zu können. […] wurde er außerordentliches Mitglied der jungen Argentinischen Psychoanalytischen Gesellschaft. Nachdem er die volle Mitgliedschaft erworben hatte, wurde er dank seiner großen Befähigung für Lehre und Forschung bereits ein Jahr darauf zum Lehranalytiker ernannt. So erfüllte si