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H. Racker verfolgte mit seinem Ethikaufsatz zwei Anliegen. Er wollte das öffentliche Vorurteil entkräften, die Psychoanalyse sei unsittlich, sie kämpfe für unbegrenzte Triebbefriedigung und die Aufhebung moralischer Werte; vor allem aber wollte er die psychoanalytische Welt von einem Mißverständnis befreien, dessen Urheber der Gründer der Psychoanalyse selbst gewesen sei. Beide Anliegen ließen sich durch den Nachweis realisieren, daß die psychoanalytische Praxis auf die Seite des ewigen Eros gehört. Die psychoanalytische Arbeit integriert den Patienten durch Bewußtmachung und Überwindung aller selbstzerstörenden Spaltungen und verhilft ihm zur Selbstliebe und zur Nächstenliebe auf allen Ebenen. Rackers psychoanalytische Ethik unterstellte die Deutungsarbeit (als Zentralfunktion einer Psychoanalyse) dem Liebesgebot der Bibel (Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst, 3. Mos. 18,18). Die psychischen