You do not currently have permission to view the full text for this document. Please sign in to an account with an active subscription or contact support.
In diesem Text wird den vielfältigen Bedeutungen des Begriffs »szenisches Verstehen« nachgegangen. Er scheint mir zwar schwer zu fassen, dennoch nicht beliebig und damit der ungewöhnlichen psychoanalytischen Situation sehr angemessen zu sein.
Der uns eher aus der Welt des Theaters bekannte erste Teil des Begriffs, »szenisch«, verweist auf »Inszenierung«, ein Handeln, dem der Gedanke, die Vor-Stellung, die Vorlage vorangestellt ist. Der zweite Teil des Begriffs, »Verstehen«, bezeichnet dagegen ein Handeln in umgekehrter Richtung: aus der Inszenierung, der In-Szene-Setzung wird der vorangestellte Text, Gedanke, die Vorstellung, die Vorlage (wieder) erschlossen. Wir müssen nur ins Theater gehen, um festzustellen, daß die Vorlage und die Inszenierung sehr weit auseinander liegen können. Durch Gedankenarbeit beziehen wir die beiden wieder aufeinander, wodurch der bekannte Text, das Stück, die Vorlage oft in einem anderen, neuen Licht erscheint, ein bisher entgangenes Detail sticht hervor oder das Thema hat sich verändert. So gesehen ist »szenisches Verstehen« das Verstehen