You do not currently have permission to view the full text for this document. Please sign in to an account with an active subscription or contact support.
Wie die Psychoanalyse hat sich auch derjenige ihrer Zweige, den man inzwischen als »Literaturanalyse« bezeichnet, in zwei großen Abschnitten entwickelt. In der Entdeckungs- und Pionierphase wurde ein neues, faszinierendes Gebiet rasch durchmessen, ohne zunächst Fragen der Systematik und Abgrenzung besondere Beachtung zu widmen. Zu Beginn stand, daß Sigmund Freud sich in der Literatur beheimatete Werke nutzbar machte und sie mit klinischen Entdeckungen synthetisierte. K. R. Eissler hat in seiner Hamlet-Monographie darauf hingewiesen, daß es zu einfach wäre zu sagen, Freud habe das Konzept des Ödipuskonfliktes klinisch beobachtet und erst dann mit einem in der Literatur gefundenen Namen belegt (Eissler 1971, 467). Wie Eissler konstatiert, war Freuds Kenntnis des Hamlet oder des König Ödipus von Beginn an eine unverzichtbare Komponente des psychoanalytischen Entdeckungsprozesses. »Der Dichter war jederzeit der Vorläufer der Wissenschaft und so auch der wissenschaftlichen Psychologie«, heißt es schon bei Freud (Freud 1907a, 70). Was ihn zu dieser Anleihe legitimierte, war die Tatsache, daß er selbst nicht nur ein großer