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Wir können uns nicht beschweren, dass ihm das, was er nicht erwerben kann, fehlt. Aber hier, vor diesem Gericht, muss sich die ganz negative Tugend der Toleranz in die weniger leichte, aber höhere der Gerechtigkeit verwandeln. Zumal, wenn die Leere des Herzens, wie sie bei diesem Mann zu beobachten ist, ein Abgrund wird, in dem die Gesellschaft umkommen kann. (Camus 2009 [1942], 132)
Mit diesen Sätzen bringt der Staatsanwalt in Albert Camus' Der Fremde die Geschworenen dazu, ein Todesurteil auszusprechen. Verurteilt wird ein junger Mann namens Meursault, »ein schweigsamer und verschlossener Charakter« (Camus 2009 [1942], 87). Ihm wird im Roman und in dessen Rezeption immer wieder nachgesagt, gegenüber der Welt und den Menschen gleichgültig zu sein. In der Tat hält Meursault große Distanz zum Geschehen ein - und zu sich selbst. Er ist scheinbar »ohne Innerlichkeit« (Kristeva 1990, 35), auf erschütternde Weise ehrlich und zeigt kein Gespür für gesellschaftliche Konventionen. An der Liebe ist er nicht interessiert, den Tod seiner Mutter betrauert er nicht, und er hat, jenseits der Erfüllung sinnlicher Genüsse, keine Ziele.