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Über Fehler wird unter Psychoanalytikern in den letzten Jahren vermehrt gesprochen. Die Gründe dafür sind vielfältig: In einigen Bereichen der spätmodernen Gesellschaft hat sich anstelle moralischer Wertungen eine Einstellung gegenüber Fehlern, Fehlerrisiken und Fehlerfolgen verbreitet, die durch eine zweckrationale, meist ökonomische Schaden-Nutzen-Abwägung charakterisiert ist. In diesem Sinne sind Fehler und der Umgang damit (»Fehlerkulturen«) in den Wirtschafts- und Sozialwissenschaften zum Forschungs- und Untersuchungsgegenstand geworden. In dem genannten Kontext ist es auch zu sehen, dass Psychoanalytiker, die als Psychotherapeuten im Versorgungssystem der gesetzlichen Krankenkassen tätig sind, verpflichtet sind, betriebswirtschaftliche Instrumentarien wie »Qualitätssicherung« und »Fehlermanagement« einzusetzen.
Unabhängig von den genannten Strömungen hat die Geschichte der organisierten Psychoanalyse und ihrer Institute Anlass zum Nachdenken über Fehlentwicklungen gegeben. Grenzverletzungen, Stagnation der Generativität und Isolation von der Außenwelt zwingen die psychoanalytische Community zu kritischer Selbstreflexion und zu einer Diskussion über Verfehlungen und den Umgang mit ihnen. Darüber hinaus mag auch die zunehmende klinische Erfahrung mit schweren Krankheitsbildern und Behandlungsverläufen, die oft Gratwanderungen gleichen, ständig vom Risiko des Scheiterns begleitet sind und beide Seiten sehr belasten, zu einem vermehrten Nachdenken über Fehlentwicklungen und ihre Vermeidbarkeit beigetragen haben.
Doch ist nicht auch jenseits dieser äußeren und inneren Notwendigkeiten, sich mit Fehlern zu befassen, die analytische Tätigkeit immer schon, auch und gerade da, wo sie gelingt, mit dem Fehlen und Verfehlen, dem Abwesenden, Verlorenen, der »Arbeit des Negativen« (Green 1999) konfrontiert? Vielleicht, um es mit Hinshelwood zu sagen, ist die Logik der analytischen Arbeit nicht angemessen beschrieben durch »ein ideales Modell, das wir manchmal verfehlen«, sonde