You do not currently have permission to view the full text for this document. Please sign in to an account with an active subscription or contact support.
Man war vielleicht von draußen hereingekommen, und auf einmal wusste man in seinem Zimmer nichts mehr mit sich anzufangen. Die Möbel standen herum, als wären sie nicht mehr zu bewegen. Kein Buch, das man aufschlug, sprach einen an. Sie schienen sich alle ähnlich geworden zu sein, fremd und gleichgültig und auch schon immer bekannt. Seiten um Seiten ein Geriesel von Worten. Hob man den Blick, lag ein dünner Firnis von Ekel über der Welt. Dieser stumpfe, unsichtbare Lack vereinheitlichte die Gegenstände, ließ aber auch jedes Ding für sich sein, gleichgültige, unzulängliche Einzelheiten, die einfach nur vorhanden waren. Unmöglich, hinüber- und hineinzukommen in die anregende Lebendigkeit eines Interesses, eines Dazwischenseins. Die Welt war verschlossen und stumm. Und obwohl die Uhr tickte, schien alles zu stocken und sich müde dahinzuschleppen. Die Zeit dehnte sich und deckte durch ihre Verlangsamung den blassen formlosen Schrecken eines Stillstands auf.
Langeweile, wie sie hier von Dieter Wellershoff (1981, 264 f.) phänomenologisch treffend beschrieben wird, ist eine weit verbreitete Emotion, vielleicht besser noch: eine weit verbreitete - individuelle und kollektive - Stimmung (vgl. Ebrecht 2005). Allerdings kommen sehr verschiedene Formen vor, deren Familienähnlichkeit sich nicht leicht fassen lässt.
Der besseren Orientierung wegen seien folgende Unterscheidungen getroffen: Langeweile kann akut auftreten, oftmals plötzlich, anfallsartig, aber auch chronisch sein, auf bestimmte Situationen begrenzt oder in beliebigen Situationen.