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Historisch gesehen ist die Psychologie eine philosophische Disziplin - jedenfalls im europäischen Kulturraum. Platon hat uns - in weitgehend implizitem, gleichwohl erkennbar kritischem Anschluss an mythisch-animistische bzw. vorsokratische Traditionen - eine Reihe von Thesen über die Psyche hinterlassen, die aus heutiger Sicht eher die Differenzen als die Gemeinsamkeiten mit den gegenwärtigen Verwendungen dieser Vokabel markieren. Dennoch ist der Einfluss dieser Philosophie der »Seele« bis in die Gegenwart nachhaltig zu erkennen, und zwar nicht allein in der Theologie, die den platonischen Unsterblichkeitsdiskurs nahezu im Verhältnis 1:1 übernommen hat, sondern auch in der Psychosomatik (vgl. v. Weizsäcker 1911). Und es war bekanntlich Aristoteles, der - seinerseits zwar in kritischer Distanz zu Platon, gleichwohl in deutlicher Abhängigkeit von ihm - die Seele zum Gegenstand einer eigens dafür formalisierten Wissenschaft, der Psychologie, machte. Der Wissenschaftstyp, dem er sie zuordnete, wurde überhaupt durch sie erst paradigmatisiert: Der Titel Peri Psyches - aus Gründen der lateinisch geprägten Rezeptionsgeschichte bekannter unter dem Titel De anima - war mehr als die thematische