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1912 legt Freud in Totem und Tabu (Freud 1913) seine Konzeption des Ursprungs der Religionen vor, die sich auf die Beobachtung von »Übereinstimmungen im Leben der Wilden und der Neurotiker« stützt. Er beschreibt die Entwicklung, die vom Totemismus zu unseren heutigen Religionen führt, und bestimmt als deren gemeinsamen Ursprung ein verdrängtes Ereignis, den Vatermord durch die Urhorde, wobei die Erinnerung an dieses Ereignis zunächst im Totemtier bewahrt wird, von wo aus sie über eine Folge von Transformationen auf den einen Gott des Monotheismus überführt wird.
Der unbewusste aktive Kern der Religionen wird konstituiert durch das, was er den »Vaterkomplex« nennt (Freud 1913, 175). In ihm vereinigen sich die verschiedenen konflikthaften Aspekte der Vaterbeziehung, deren fundamentale Eigenschaft die Ambivalenz zwischen Gefühlen von Hass und Liebe ist. Eifersüchtiger Hass richtet sich gegen den Urhordenvater, der die Frauen der Gruppe für sich allein besitzt; auf ihn waren die mörderischen Impulse der