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In seinem Versuch einer Entwicklungsgeschichte der Libido (Abraham 1924) geht Abraham auf die Suche nach jenem komplexen Phänomen, das wir Liebe nennen. Er leitet die Fähigkeit, dieses Gefühl zu erleben, von einem Zusammenspiel von Triebentwicklung und einer dieser Entwicklung angemessenen Objektbeziehung ab. Abraham zeichnet eine Linie von den ersten Erfahrungen des Säuglings in der Auseinandersetzung mit seiner psychosexuellen Entwicklung nach, der er eine »gesonderte entwicklungsgeschichtliche Betrachtung« (Abraham 1924, 165), nämlich das »Verhältnis des Individuums zum Liebesobjekt« (Abraham 1924, 165) als notwendige Ergänzung an die Seite stellt. Wenn die unterschiedlichen psychosexuellen Phasen im unmittelbaren Austausch mit einem Objekt stehen, das die seelische Entwicklung hinreichend gut und fürsorglich begleitet, so kann das zu der Fähigkeit führen, eine vollwertige Objektliebe (Abraham 1924, 77) zu erleben. Dazu gehört die Wahrnehmung ganzer und unabhängiger Objekte und ganz zentral die Fähigkeit, ein nicht ideales Objekt mit Liebe besetzen zu können. Abraham akzentuiert das nicht Ideale; das heißt für ihn, dass das Subjekt ertragen kann, in der Beziehung zum Objekt gute wie enttäuschende Seiten wahrzunehmen und anzuerkennen, ohne die emotionale Besetzung zurück zu nehmen. In diesem Entwicklungsstadium vollwertiger Objektliebe übernimmt das Objekt nicht länger eine Funktion für den seelischen Zustand des Subjekts. Während für den Säugling das Partialobjekt Brust für die Ernährung und das Wohlbefinden zuständig und verantwortlich