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Die Arbeit besteht aus zwei Teilen. Nach einem einführenden Essay folgt eine ausführliche Fallgeschichte, »Sonjas Welt«. Eine erste Schlussfolgerung meiner Überlegungen zur Ästhetik der Falldarstellung setze ich gleich an den Anfang: Eine psychoanalytische Falldarstellung ist eine Geschichte, eine Erzählung, die, auch wenn sie Zusammenhänge konstruiert und sich auf implizite und explizite Theorien stützt, nicht-fiktional bleibt und bleiben muss. Creative oder literary nonfiction eben, die den mittelbaren Bezug zum Realen des psychoanalytischen Prozesses nicht abreißen lässt. Eine psychoanalytische Fallgeschichte gehört nicht zum Universum der Belletristik, sondern zum Paralleluniversum der Empirie - nämlich der psychoanalytischen Einzelfallempirie.
Blättern wir zurück in den Annalen der Psychoanalyse. Ist Freud nicht nur einem angeblichen szientistischen Selbstmissverständnis erlegen, sondern kann man bei ihm außerdem so etwas wie ein belletristisches Selbstmissverständnis ausfindig machen? Häufig wird angeführt, dass Freud seine Krankengeschichten mit Novellen verglichen habe. In der Epikrise zur Studie »Fräulein Elisabeth v. R.« hat Freud tatsächlich festgehalten: