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Die Beantwortung der Frage, welche Bedeutung dem Judentum für die Psychoanalyse zukommt, ist im Laufe der letzten Jahrzehnte immer wieder kontrovers diskutiert worden und hat die Gelehrten scharf in zwei Gruppen getrennt. Auf der einen Seite finden wir ein gleichsam »weltliches Lager«, das erklärt, der Umstand, dass Freud Jude war, habe für die Entstehung der Psychoanalyse keinerlei Relevanz. Freud wird hier, prominent vertreten durch Peter Gay (1988), eindeutig in eine aufklärerische und geradezu antireligiöse Tradition gestellt, und es wird eindringlich davor gewarnt, durch die Betonung des Jüdischen den Status der Psychoanalyse als Wissenschaft und ihren Anspruch auf Universalität zu gefährden. Auf der anderen Seite, im gewissermaßen »religiösen Lager«, wird im glatten Gegensatz dazu behauptet, dass die Psychoanalyse aus gutem Grund und mit einigem Recht als eine »jüdische«