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Lügen heißt Leben in eine Leere bringen.
Wenn der Lügner für den anderen eine Welt erschafft, glaubt er auch selbst an diese Welt, und er fühlt sich zum einen lebendiger, zum anderen demjenigen näher, der diese Welt mit ihm teilt.
Anknüpfend an Eickhoff (1988) widmet sich das vorliegende Jahrbuch der Psychoanalyse mit dem Thema Lüge einer Beziehungsdimension, die zwar im alltäglichen Leben eine große Rolle spielt, in der psychoanalytischen Tradition aber eher vernachlässigt wurde. Das mag dem Umstand geschuldet sein, dass sie lange als Kontraindikation für eine Behandlung galt. Immerhin beharrt Freud (1937c, 94) ausdrücklich darauf, »dass die analytische Beziehung auf Wahrheitsliebe, d.h. auf die Anerkennung der Realität gegründet ist und jeden Schein und Trug ausschließt«. Während viele Analytiker in der Tradition Freuds der Meinung waren, Psychoanalyse könne nur unter der Bedingung absoluter Wahrhaftigkeit funktionieren, vertreten beispielsweise Bion (1970, 11) und Edna O'Shaughnessy (1998, 60) die Auffassung, dass auch ein pathologischer Lügner analysiert werden könne.
Eine solche Auffassung scheint freilich dem Grundprinzip der Psychoanalyse zu widersprechen. Denn bekanntlich verpflichten sich Patient wie Analytiker am Beginn der Behandlung durch Anerkennung der Grundregel zu »volle(r) Aufrichtigkeit« (Freud 1940a, 99) bzw. Wahrhaftigkeit. Dies bleibt jedoch ein schwieriges Unterfangen. In der Praxis kann man wohl davon ausgehen, dass zu Beginn einer Analyse kaum jemand versteht, was mit der analytischen Grundregel gemeint ist, geschweige denn, dass er in der Lage wäre, sie sofort zu befolgen . Wäre ein Patient dazu fähig, dann wäre er vermutlich gesund und bräuchte keine Analyse mehr. Die Grundregel erscheint daher weniger als reale Bedingung der Behandlung denn vielmehr