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Es scheint mir ebenso mutwillig, die Natur durchwegs zu beseelen wie sie radikal zu entgeistern. Lassen wir ihr doch ihre großartige Mannigfaltigkeit, die vom Unbelebten zum organischen Belebten, vom Körperlichlebenden zum Seelischen aufsteigt. Gewiss ist das Ubw die richtige Vermittlung zwischen dem Körperlichen und dem Seelischen, vielleicht das langentbehrte missing link. Aber weil wir das endlich gesehen haben, sollen wir darum nichts andres mehr sehen können. (Groddeck/Freud 1970, 22)
Der Brief an Georg Groddeck vom 5. Juni 1917 ist eine der Stellen, an denen Freud sich explizit zum Verhältnis von Körper und Seele äußert, und nicht die einzige, in der er seine Skepsis gegenüber »philosophischen Theorien« äußert, um ihnen die »schöne Basis« der Erfahrung entgegenzusetzen. Dann aber weitet sich - hier setzt das Zitat ein - sein Blick auf die gesamte Natur, und Freud entwirft eine »aufsteigende« Reihe vom Unbelebten zum Belebten und vom körperlichen zum seelischen Leben. Innerhalb dieses Aufstiegs bemerkt er eine Lücke, einen Sprung, ein Unsichtbares, das durch ein »missing link« überbrückt werden soll. Ausgerechnet das Unbewusste soll die »richtige Vermittlung« herstellen - aber die Gewissheit trägt nicht sehr weit; der letzte Satz des Zitats fordert als rhetorische Frage eigentlich ein Fragezeichen. Freud verwahrt sich gegen die - seinem Freund Groddeck wie allen Philosophen vorgeworfene - »Neigung, alle die schönen Differenzen in der Natur gegen die Lockung der Einheit geringzuschätzen« (Groddeck/Freud 1970, 22).
Dass die psychoanalytische Auffassung des Verhältnisses von Körper und Seele seit diesem schwer zu interpretierenden und schillernden Brief klarer oder einfacher geworden sei, lässt sich 100 Jahre später nicht behaupten. Es hat Tendenzen gegeben, die Psychoanalyse - entgegen ihren Ursprüngen - in Richtung einer reinen Psychologie umzuformulieren, in der das Körperliche nur mehr - wie ein Äußerliches - durch Reize vertreten ist. Das »Faktorenhafte« des Ps