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Die Untersuchung von Mikroprozessen spielt in der Psychoanalyse eine immer größere Rolle. Mit der Entdeckung von Übertragung, Gegenübertragung, projektiver Identifizierung und Inszenierung/Enactment, mit dem neuen, vertieften Verständnis des binokularen Zusammenwirkens von bewusst-unbewussten Prozessen und mit veränderten Perspektiven auf psycho-somatische, somatopsychische und körperlich-leibliche Dimensionen rückten die komplexen Strukturen und vielschichtigen Dynamiken, die sich in der analytischen Begegnung ereignen, in den Vordergrund. Die mikroprozessualen Beobachtungen führten zu Erkenntnissen über nicht repräsentierte Zustände, die keinesfalls nur in schweren Pathologien eine Rolle spielen; sie differenzierten unsere Auffassungen zu primär-narzisstischen, traumatischen, autistoiden und autistischen Zuständen; sie führten zu einer Renaissance der Nachträglichkeit; sie machten uns (oftmals auch schmerzhaft) klar, dass nicht alles objektal zu verstehen und in der Übertragung deutbar ist; sie zwangen uns, den Körper deutend zu berücksichtigen; sie zeigten, dass psychische Verarbeitung intersystemisch, also zwischen Bw, Vbw und Ubw zu denken ist; sie begrenzten uns, z.B. mit der Erkenntnis, dass das strukturelle Unbewusste und psychische Subsysteme nur bedingt - wenn überhaupt - zu beeinflussen sind. Vor allem wurde die Macht von Inszenierungen, Enactments und des Agierens in größerer Komplexität sichtbar.
Die Umwälzungen, die sich hieraus ergeben, haben mittlerweile alle psychoanalytischen Schulen erfasst. Ist es übertrieben zu sagen, dass sich die Psychoanalyse in einer Phase außerordentlicher Wissenschaft (Kuhn) befindet?
Wir haben versucht, in diesem Band einige Ansätze, die sich mit Mikroprozessen befassen, zusammenzutragen, wissend, dass Vollständigkeit nicht erreichbar ist. Dennoch decken die Beiträge ganz unterschiedliche Bereiche ab, nämlich metapsychologische, theoretische, konzeptuelle und klinische Überlegungen.