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Deuten bedeutet Bedeutung geben, oder mit Freud: »Deuten heißt einen verborgenen Sinn finden« (1916-17, 83) - klingt einfach und einleuchtend, doch damit fangen die Probleme an.
Einer der Ausgangspunkte der psychoanalytischen Technik war die Widerstandsanalyse. Die Widerstandsanalyse hat mit psychischen Konflikten zu tun, in denen ein Kompromiss zwischen Zurückweisung und Befriedigung gefunden wird, der allerdings u.U. die Kosten der Symptombildung nach sich ziehen kann. Wenn nun das Unbewusste bewusst gemacht wird, müsste das Symptom verschwinden. Doch der Patient setzt diesem Bewusstwerden erneut Widerstände entgegen, ja, es kann etwas bewusst werden, ohne »wirklich« bewusst zu werden. D. h. es wird intellektuell-kognitiv, aber nicht seelisch bewusst. Freud hat schon in frühen Schriften (1891b; 1895; 1895d), in der Traumdeutung (1900a), insbesondere aber in seinen metapsychologischen Schriften, die komplexe Dynamik solcher Vorgänge zu erklären versucht und sie schließlich mit der Verbindung von Wort- und Sachvorstellung in Zusammenhang gebracht.
Was wir die bewußte Objektvorstellung heißen durften, zerlegt sich uns jetzt in die Wortvorstellung und in die Sachvorstellung, die in der Besetzung, wenn nicht der direkten Sacherinnerungsbilder, doch entfernterer und von ihnen abgeleiteter Erinnerungsspuren besteht. Mit einem Male glauben wir nun zu wissen, wodurch sich eine bewußte Vorstellung von einer unbewußten unterscheidet. Die beiden sind nicht, wie wir gemeint haben, verschiedene Niederschriften desselben Inhaltes an verschiedenen
Page 13psychischen Orten, auch nicht verschiedene funktionelle Besetzungszustände an demselben Orte, sondern die bewußte Vorstellung umfaßt die Sachvorstellung plus der zugehörigen Wortvorstellung, die unbewußte ist die Sachvorstellung allein. Das System Ubw enthält die Sachbesetzungen der Objekte, die ersten und eigentlichen Objektbesetzungen; das System Vbw entsteht, indem diese Sachvorstellung durch die Verknüpfung mit den ihr entsprechenden