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In seiner Erforschung des Phänomens des Träumens interessiert sich Sigmund Freud in erster Linie für die vorfindbaren Inhalte des Traums und die jeweils wirksamen (Entstellungs-)Mechanismen. Er versteht die »Traumarbeit« eher reaktiv; mit der Funktion, das bewusste Ich vor Impulsen des Es zu schützen und die latenten Wahrheiten vor ihrem Träumer geheimzuhalten. In Wilfred Bions Erweiterung der Freud'schen Traumtheorie wirken hingegen im Akt des Träumens das Lustprinzip und das Realitätsprinzip kooperativ oppositionell miteinander. Aus seiner Sicht erfolgen das Träumen und die »Alpha-Funktion« tags und nachts; dadurch erhalten sie große Bedeutung für das Realitätsprinzip und sämtliche psychische Funktionen des Wachlebens. Psychopathologie versteht Bion als einen Indikator für nicht erfolgreiches und / oder unvollständiges Träumen. Der Analytiker hat die an ihn herangebrachte unbewusste Problematik zuerst für seinen Patienten zu träumen, bevor sie verarbeitet werden kann - zu mentalisierbaren, träumbaren Elementen.
Anhand einer klinischen Vignette illustriert der Autor eine Übertragungssituation, in der das Problem der Patientin zunächst nur beobachtet und nicht »erfolgreich geträumt« werden kann. Durch das Versagen der Alpha-Funktion wurde der Patientin früh die Möglichkeit genommen, eine Verbindung zu einem wesentlichen Teil von sich selbst zu erreichen. Dieser blieb nur eingeschränkt für die eigene Entwicklung verfügbar und wurde zu etwas, das sie allenfalls beim Gegenüber beobachten, aber selbst nicht wirklich kennenlernen konnte. Der Autor zeigt, wie sich der Analytiker in einem langwierigen Prozess mit dem zu identifizieren - und das »zu werden« (Bion) - hat, was das Unbewusste der Patientin an ihn heranbringt. Erst dadurch kann der Patientin dazu verholfen werden, Aspekte ihrer emotionalen Realität selbst »träumerisch« kennenzulernen und eine entlastende Alpha-Funktion zu internalisieren. Abschließend werden Bezüge zu den behandlungstechnischen Empfehlungen Bions hergestellt, die den Analytiker zur Frische eines »träumenden Standpunktes« ermutigen.