You do not currently have permission to view the full text for this document. Please sign in to an account with an active subscription or contact support.
Umbruch, Aufbruch, schnelle und tiefgreifende gesellschaftliche Veränderungen:
Die Reproduktionstechnologie bietet mit In-vitro-Fertilisation, Samen- und Eizellspenden, Embryonentransfer und Leihmutterschaft neue Wege, um ein Kind zu bekommen. Die gesellschaftlichen, rechtlichen und medizinischen Entwicklungen ermöglichen neue Formen der Transsexualität, vom Geschlechter-rollenwechsel über partielle bis hin zu weitgehenden geschlechtsangleichenden Maßnahmen. Es gibt neue Herkunfts- und nun auch vielfältige Familienstrukturen.
Welche Auswirkungen hat das im seelischen Erleben? Was bedeutet die Aufspaltung der sozialen und genetischen Elternschaft? In welche Konflikte geraten Kinder, die in Bezug auf ihre Abstammung im Unklaren sind?
Menschen heute leben häufiger als zuvor im Laufe ihres Lebens oder auch parallel verschiedene sexuelle Orientierungen aus. So finden sich auch immer mehr unterschiedliche Beziehungsformen - homosexuelle, heterosexuelle und trans-Paare, offene Beziehungen, Polyamorie, Polyfidelity usw. Neben dem Erleben als Frau oder Mann und der entsprechenden identifikatorischen Verortung in einer Geschlechterpolarität haben sich vielfältige diskursive Formen geschlechtlicher Identität herausgebildet. In den sozialen Medien wird diese Vielfalt neben »weiblich« und »männlich« zumeist unter dem Label »divers« subsumiert. Die Geschlechtsidentität erscheint somit »fluide«, sowohl frei wählbar als auch veränderlich in der Zeit. Vor allem bei Jugendlichen gibt es oft das Erleben, in einem »falschen Körper« geboren worden zu sein. Immer häufiger werden geschlechtsangleichende hormonelle Behandlungen und Operationen durchgeführt, diese Eingriffe aber auch zunehmend infrage gestellt.
Die beschriebenen Veränderungen führen in der Psychoanalyse zu konzeptionellen, theoretischen, metapsychologischen und behandlungstechnischen Fragen.