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Die technologischen Entwicklungen der letzten Jahre mit der In-vitro-Fertilisation und den Ei- und Samenspenden haben zur Entstehung von Familien geführt, die die übliche Struktur von Vater-Mutter-Kind, auf der das (theoretische) Modell des Ödipuskonfliktes beruht, in Frage stellen. Es gibt Familien mit gleichgeschlechtlichen und mit alleinerziehenden Eltern; es gibt Kinder, die mit Ei- und / oder Samenspenden gezeugt wurden, die kein »genetisches Gepäck« ihrer Eltern in sich tragen; es gibt eine »vereinbarte« Elternschaft usw. Das Modell des ödipalen Konfliktes ist in permanenter Veränderung begriffen, seit Freud es formulierte. Dieser Beitrag gibt einen kurzen Überblick über diese Entwicklungen. Zudem wird die Frage untersucht, ob die »neuen Familien« einen »neuen Ödipus« entwickeln oder das alte Dreiecksmodell von Vater-Mutter-Kind beibehalten. Die Autorin kommt zu dem Schluss, dass die Betonung heute weniger darauf liegt, dass es Eltern beiderlei Geschlechts geben muss, um ein vollständiges System von Identifikationen und Identitäten aufrechtzuerhalten. Es scheint eine Art trianguläre Familienstruktur notwendig zu sein, um ein Gefühl von Getrenntheit zu entwickeln. Dabei haben Kinder aus »neuen Familien« die gleichen Entwicklungsaufgaben zu bewältigen wie Kinder aus traditionellen Familien. Mit Fantasie2 und Neugierde müssen sie sich mit der immerwährenden Frage »Wie bin ich entstanden?« auseinandersetzen können, denn ihre Entwicklung hängt wesentlich davon ab, inwieweit sie sich in ihrer jeweiligen Familienstruktur wahrheitsgemäß ein Narrativ erschaffen können.